Wo bleibt der Nachwuchs?

Die letzte WM hat deutlich gemacht, dass der deutschen Nationalmannschaft nicht viel Gutes blüht, wenn die Generation um Nowitzki in nicht allzu ferner Zukunft das Adler-Dress an den Nagel hängt. Zwar war der “Dirkster” mit 23,2 Punkten immerhin zweitbester Scorer des Turniers, doch waren seine Leistungen nur selten überzeugend. Er war einfach zu müde, um die nötigen Akzente zu setzen, allein beim 108:103 gegen die Angolaner konnte er mit 47 Punkten überzeugen. Nun hat Nowe mehr als 100 Spiele hinter sich gehabt und die fehlende Frische ist daher nur allzu verständlich. Vielmehr enttäuschten hier die Mitspieler. Okulaja war der einzige deutsche Spieler, der neben Nowitzki immerhin zweistellig punkten konnte (10,4). Ansonsten tat sich da nicht viel.

Natürlich ist das auch an anderer Stelle schon behandelt worden, wie z.B. in der FIVE, aber ich frage mich trotzdem, ob da in den nächsten Jahren noch genug nachkommt. Dabei brauchen wir nicht unbedingt einen zweiten Nowitzki, denn die Griechen sind auch bis ins Finale gekommen, ohne einen absoluten Top-Scorer zu haben. Zum einen hat der Deutsche  Basketball Bund durch die Gründung der NBBL reagiert, einer Liga nur für den Nachwuchs, wo 32 Teams in 4 Divisionen gegeneinander antreten. Das ist schon mal gar nicht schlecht. Andererseits hob aber die Basketball-Bundesliga (BBL) die Ausländerbeschränkung auf. Bis zur Saison 2009/10 muss aber eine Mindestzahl deutscher Spieler auf dem Spielberichtsbogen vermerkt sein. Aber reicht das aus? Schon heute spielen die deutschen Spieler keine allzu große Rolle in ihren Teams der BBL. In den Top50 der Scorer findet sich kein Spieler mit deutschem Pass, bei den Assists taucht Demond Greene erst auf Platz 42 auf. Einzig bei den Rebounds taucht Robert Maras an 12. Stelle auf. Natürlich ist es so, dass viele Nationalspieler im Ausland spielen, so sind ja vor dieser Saison auch Steffen Hamann und Pascal Roller noch nach Italien gegangen.

Das nicht viel von unten nachkommt, kritisierte Nowitzki auch schon mal gegen Ende September. Er unterstellte in diesem Artikel dem Nachwuchs zu wenig Biss. Mit den Worten “Teilweise sind sie aber auch zu verwöhnt, kommen mit 16 mit einem Manager an, setzen sich dann lieber für 5000 Euro auf die Bank, anstatt dass sie für etwas weniger Geld erst mal in der Regionalliga oder 2. Liga spielen und sich hocharbeiten” gab es für alle Talente eine ordentliche Ohrfeige. Ehrlich gesagt, kann ich dieses Argument nicht nachvollziehen. Natürlich kann ich die Behauptung vom Dirkules weder verifizieren, noch argumentativ und mit Zahlen unterfüttert bestätigen. Aber diese Aussage ist natürlich auch ein Argument, dass man in fast allen Sportarten hört, wenn es darum geht, warum erstklassige Vereine nicht auf einheimische Nachwuchsspieler setzen. Denn die sind ja zu teuer. Ist ein 20-jähriges Talent wirklich teurer als ein 25-jähriger Amerikaner? Denn auch die US-Boys spielen hier ja nicht aus Gründen der Entwicklungshilfe und für einen caritativen Zweck. Die wollen sich auch ihren Lebensunterhalt verdienen und im besten Fall in eine stärkere (zahlungskräftigere) Liga wechseln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein junger Spieler alles tun wird, um irgendwie in die erste Liga zu kommen und auch bereit ist, dafür erstmal auf die fette Kohle zu verzichten.

Vielleicht muss man das Ganze auch von der anderen Seite sehen. Vielleicht gibt es auch zu wenig Anreize für junge Spieler. Sie wissen, dass sie es eh schwer haben, sich in Vereinen der ersten Liga durchzusetzen. Jede Saison wird der halbe Kader verkauft und mit neuen (meist ausländischen) Spielern aufgefüllt. Man selber bekommt kaum Einsatzzeit und kann sich aufgrund fehlender Spielpraxis nicht weiterentwickeln. Und irgendwann kommt man ja an den Punkt, wo man sich entscheiden muss: Lege ich all meine Energie in meinen Sport und versuche Profi zu werden? Oder kümmere ich mich um meine Ausbildung und gehe dadurch das Risiko ein, den letzten Schritt nicht machen zu können? Jan-Hendrik Jagla galt zum Beispiel als Talent, jedoch kam er bei seiner BBL-Saison 2004/05 nicht über 6,7 Pkte und 3,3 Rebounds im Schnitt hinaus in gerade einmal knapp 13 Minuten pro Spiel. Mittlerweile spielt Jagla in der Türkei. Anderes Beispiel ist im Moment Johannes Herber, der mir persönlich bei der WM gut gefiel, bei ALBA aber nur 7:43 Minuten absolvieren darf pro Spiel.
Die Frage ist: Wie machen das aber jetzt die anderen Länder, wie z.B. Griechenland, Spanien, Italien? Alle drei Länder haben starke Ligen und locken auch viele Spieler aus dem Ausland an. Aber trotzdem ziehen sie ständig neue Talente nach. Irgendwas muss hier ja in der Nachwuchsarbeit anders laufen als hier. So tackert der gerade mal 20 Jahre alte Belinelli den US-Amerikanern 25 Punkte in der Korb. Die Spanier haben mit Gasol, Calderon und Garbajosa immerhin 3 Spieler in die NBA exportiert. Liegt es am allgemein höheren Niveau, was dann auf die jungen Spieler abfärbt?

So, sind jetzt alle verwirrt? Gut! Mir geht es gar nicht die Liga vor einer “Überfremdung” zu schützen oder den hohen Ausländeranteil anzukreiden, aber ich will auch in ein paar Jahren noch eine Nationalmannschaft sehen, die international mithalten kann. Außerdem glaube ich, dass es der BBL ganz gut tun würde, wenn sich hier gute deutsche Spieler rumtummeln würde, die allgemein das Interesse an der Liga heben könnten. Denn im Moment ist die Fluktuation einfach sehr hoch und ich finde es immer wieder amüsant, vor Beginn der Saison zu gucken, welches Team die meisten Spieler durchgetauscht hat. Und vor allem brauchen wir wieder eine BBL-Team in Hamburg, kann ja nicht sein, dass hier BBall-technisch echt mal Tote Hose ist.

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